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Eine Krise ist immer Chefsache

Dietrich Freiherr von Gumppenberg, Agenturgründer und Geschäftsführender Gesellschafter, stand der Capital-Redaktion Rede und Antwort zum Management von Unternehmenskrisen.

 

Herr von Gumppenberg, Entlassungen bei der Telekom und Mercedes, Korruptionsvorwürfe bei VW, Top-Manager im Mannesmann-Verfahren vor Gericht – sind Unternehmen auf Krisen richtig vorbereitet?

 

Krisen sind grundsätzlich negativ. Und niemand liebt das Negative. In vielen Fällen wird deshalb die Krise verdrängt und ist schon sehr weit fortgeschritten, bevor sie akzeptiert wird. Das hat aber die fatale Konsequenz, dass sich das Problem damit erst richtig hochschaukelt und Handlungsalternativen zu spät einsetzen. Zudem nährt die verspätete Reaktion in der Öffentlichkeit den Verdacht, hier werde etwas verheimlicht.

 

Wie kommt es zu den Fehlern?

 

Unternehmen schätzen die Situation oft falsch ein und handeln demzufolge auch falsch. Viele Manager denken etwa bei der Kommunikation von Personalmaßnahmen nur in betriebswirtschaftlichen Kategorien wie Rentabilität, Kostensparen oder Shareholder Value. Dabei geht es um Menschen - und die organisieren ihre Interessen und äußern sie. Deshalb muss man mit denen reden, die es betrifft und Argumente bis ins Detail klären. Auch wenn es manchmal schwer fällt.

 

Wie sollten die Unternehmen bei akuten Problemen reagieren?

 

Eine Krise kommt meistens überraschend, aber die Firma muss auf solche Fälle vorbereitet sein, um damit umgehen zu können. Manager sollten mögliche Problemherde bereits im Voraus analysieren und Konzepte sowie Notfallpläne vorbereiten. So wie man einen Verbandskasten im Auto liegen hat, den man bei Bedarf holt.

 

Nützt es, das Problem zu verharmlosen oder totzuschweigen?

 

Offenheit und Ehrlichkeit sind oberstes Gebot. Denn es geht um die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und der Manager. Jeder weiß das, trotzdem wird es selten umgesetzt. Ist die Glaubwürdigkeit erst einmal verspielt, steht man auf verlorenem Posten. Deshalb so früh wie möglich den Sachverhalt kommunizieren und bei der Wahrheit bleiben. Manager sollten unbedingt ihre Mitarbeiter zuerst einbeziehen und erst dann Multiplikatoren wie Gewerkschaften oder Medien informieren. Ein Brandherd lebt von den Informanten und Gerüchten. Offenheit umgeht diese Hürde.

 

Welche Kommunikationsstrategie führt am ehesten zum Erfolg?

 

Klare Analyse, flexibler Fahrplan. Und nicht jeden Tag die Argumente ändern – sonst verliert man. Eine Krise ist immer Chefsache. Die Fäden müssen ganz oben im Management zusammenlaufen. Es darf nur mit einer Stimme gesprochen werden. Meistens ist proaktives Vorgehen der richtige Weg. Also in Aktion treten, noch bevor sich das Thema wie ein Virus ausbreitet.

 

Quelle: CAPITAL, 24/2005

25.11.05

Von: wbpr München/Unterföhring