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03.05.2011
Oliver Jäger

Potsdamer PR-Spezialisten besuchen re:publica 2011

Quelle: (cc) Anja Pietsch/re:publica

Seit 2007 kommt in Berlin alljährlich die deutsche Internet-Szene zur re:publica zusammen, um sich zu Fragen der Online-Kultur auszutauschen. Auf der dreitägigen Konferenz geht es in rund 130 Einzelveranstaltungen um ein breites Themenspektrum, das von netzpolitischen Themen wie etwa Datenschutz über neue Formen des Journalismus bis hin zu Computerspielen reicht. Geschäftsführer Jarno Wittig und PR-Beraterin Katharina Priesnitz aus dem Potsdamer Team waren vor Ort, um sich auf den neuesten Stand in Sachen Web 2.0, Social Media und digitale Trends bringen zu lassen. Hier ihre persönlichen Highlights.

Kaum auf der re:publica angekommen, wurde Wittig als bereitwilliges Statement-Opfer vom ZDF entdeckt. Nachdem der Redakteur bei den „kommunikativen Teilnehmern des Events“ reihenweise Körbe eingesammelt hatte, ließ sich Jarno Wittig zu einem O-Ton im Beitrag zum Verein Digitale Gesellschaft e.V. hinreißen.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm auch der Vortrag von Thomas Pfeiffer, in dem der studierte Medienpädagoge und Betreiber des Blogs webevangelisten.de. das Phänomen sogenannter Echokammern behandelte. Pfeiffer stellte Erkenntnisse vor, zu denen Analysen der Kontakte von Nutzern sozialer Netzwerke gekommen waren.  So wurden etwa die Querverbindungen zwischen Anhängern unterschiedlicher Meinungsgruppen – z. B. politischer Parteien – untersucht. Das Ergebnis: Diese bestünden kaum bis gar nicht. Vielmehr bildeten die Sympathisanten einzelner Lager selbstreferenzielle Systeme, in denen zwar untereinander und über die Anderen kommuniziert wird, aber nicht mit diesen. Es bestehe folglich die Tendenz, vornehmlich Informationen zu erhalten, die die eigene Sichtweise bestätigen.

Pfeiffer, der die Annahme vollständig voneinander isolierter Echokammern im Netz nicht teilt, bemühte Befunde eigener Untersuchungen, um diese Theorie abzuschwächen. Zwar geht auch er letztlich davon aus, dass Echokammern existieren, jedoch seien diese aufgrund ausreichender Fremdverknüpfungen durchlässiger als angenommen. Im Vortrag untermauerte Pfeiffer das unter anderem mit dem Resultat seiner Twitter-Analyse, Informationen müssten im Schnitt etwa zweimal retweetet werden, damit sie aus einer Echokammer in eine andere schwappen. Die Devise lautet für Wittig daher: Verstärkt quer vernetzen. So nämlich lässt sich vermeiden, dass Diskussionen über strittige Themen stromlinienförmig werden.

Nützliche Einblicke nahm auch PR-Beraterin Katharina Priesnitz von der re:publica mit. Am letzten Veranstaltungstag besuchte sie die Podiumsdiskussion "Der Widerstand gegen S21 im Netz", in deren Mittelpunkt das bis Stuttgart 21 bei keiner Protestbewegung so deutlich wahrnehmbare Zusammenwirken von Online- und Offline-Maßnahmen stand. So nutzte der Mix aus Parkschützern, Bloggern, Rentnern, Tai Chi-Gruppen und Linken (mit Ausnahme des "schwarzen Blocks") die gesamte Bandbreite bewährter und moderner Kommunikation, die optimal ineinandergreifen konnte. Wurden direkte Kontakte zumeist auf analogem Wege geknüpft, konnten die S21-Gegner im digitalen Raum mittels Social Media binnen weniger Stunden Aktionen organisieren – ein Paradebeispiel für effektive Mobilisierung im Web 2.0-Zeitalter.

Darüber hinaus zeigte sich, dass das in früheren Jahren wesentlich durch die Berichterstattung von Fernseh- und Radiosendern geprägte Meinungsbild heute maßgeblich durch neue Medien mitbestimmt wird – im Fall Stuttgart 21 durch Blogs, Flügel-TV, CamS21, Youtube und die "Twitterdemagogen". Fazit für Katharina Priesnitz: Jede Kommunikation hat nicht nur ihre Berechtigung, sondern ist ein wichtiger Baustein im Meinungspluralismus und dient dem grundrechtlichen Schutz der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit.

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