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04.09.2012
Jan Manz
Foto: marfis75 auf Flickr.com (CC-Lizenz)

Gastbeitrag: Wege zur Akzeptanz für Großprojekte

Die befreundete PR- und Kommunikationsagentur wiko.cc mit insgesamt drei Standorten in Österreich berät seit Jahren führende Wirtschaftsunternehmen und Institutionen in Fragen rund um das Thema Energie. In dem nachfolgenden Gastbeitrag skizziert Geschäftsführer Ulrich Müller, auf was es ankommt - wenn es darum geht, Akzeptanz für Großprojekte zu gewinnen.

Wege zur Akzeptanz für Großprojekte

Kaum ein Deponieprojekt ohne Bürgerinitiative, kein großes Kraftwerksvorhaben ohne Proteststurm von Umweltverbänden: Die Zeiten für neue Infrastrukturmaßnahmen sind nicht gerade günstig. Und dennoch zeigen einzelne Beispiele gelungener Kommunikation, dass soziale Akzeptanz für Großprojekte möglich ist. Dabei lassen sich fünf Erfolgsfaktoren ausmachen.

 

1.) Transparent und sachlich informieren.
Der Projektwerber informiert umfassend über das Investitionsvorhaben. Nur so kann Fehlinformationen und Ängsten in der Bevölkerung begegnet werden. Bei dem mit dem österreichischen PR-Staatspreis gekrönten Projekt Sohlstufe Lehen hat die Salzburg AG von Anfang an den direkten Kontakt zu den Anrainern gesucht, einen permanent erreichbaren Ombudsmann installiert, einen monatlichen Newsletter herausgebracht und 14-tägige Info-Treffs abgehalten. 2010 wurde das Projekt genehmigt, Mitte nächsten Jahres wird das Wasserkraftwerk mitten in der Stadt die ersten Kilowattstunden ans Netz liefern.

 

2.) Nutzen transportieren.
Das Investitionsvorhaben darf niemals als Selbstzweck gesehen werden, sondern muss einem klaren Ziel dienen. Mit diesem Ziel können sich im Idealfall alle identifizieren. Den Nutzen haben nicht nur einige wenige, sondern die Allgemeinheit. Bei der Bürgerbefragung im Osttiroler Virgental, bei der zwei Drittel der Bevölkerung für das geplante Kraftwerk an der Isel votierten, stach letztendlich das regionalwirtschaftliche Argument: Nach Jahren des touristischen Niederganges braucht das Tal am Rande des Nationalparks eine wirtschaftliche Perspektive, und da kommt das Kraftwerk mit jährlichen Erlösen von rund 400.000 Euro für die beiden Standortgemeinden gerade recht. Teile der Gewinne fließen in die „Iselstiftung“, die Zukunftsprojekte für das Tal finanzieren soll, vom Wanderweg bis zur Altersversorgung.

 

3.) Bevölkerung einbinden.
Die betroffenen Bürger werden vom Projektwerber aktiv in die Planung einbezogen. Dafür steht eine breite Palette an Instrumenten – von der Info-Veranstaltung bis zum Bürgerbeirat – zur Verfügung. Idealerweise beginnt der Bürgerbeteiligungsprozess frühzeitig, bevor sich eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gegründet hat. Beim Hauptbahnhof Wien werden beispielsweise seit 2006 Bezirksforen mit Vertretern der betroffenen Bezirke und fachspezifische Arbeitsgespräche mit speziellen Interessengruppen abgehalten, wie z.B.  Autofahrerclubs, Mietergruppen oder den Gemeinderatsfraktionen im Rathaus. Vorschläge aus der Bevölkerung haben bereits in mehreren Fällen zur Abänderungen des ursprünglichen Projektes geführt.

 

4.) Auf die Gegner zugehen.
Auch wenn einzelne NGOs gar nicht so sehr am Dialog, sondern vielmehr an der medialen Konfrontation interessiert sind, muss sich der Projektwerber immer um den direkten Kontakt bemühen. Eine Eskalation kann niemals im Interesse des Projektwerbers liegen. Der Investor muss wissen, dass er in der öffentlichen Wahrnehmung gegenüber dem Projektgegner ein Imagedefizit hat: Er ist der, dem es um seinen persönlichen Vorteil geht, der gewaltsam einen Zustand verändern will, auf den ein anderer ein angestammtes Recht zu haben meint. Das bedingt eine besonders sorgsames Vorgehen: Instrumente und Methoden, die für den Projektgegner recht und billig sein mögen, können für den Investor ein absolutes ethisches No-Go darstellen.

 

5) Den Medien in ihren Bedürfnissen entgegenkommen.
Der Erfolg der NGOs liegt zu einem großen Teil in ihrer perfekten Medienarbeit. Sie inszenieren ihren Protest mediengerecht, liefern gute Bilder und bedienen sich einer klaren Sprache. Projektwerber hingegen verwenden gerne technische Fachausdrücke und haben so gut wie keine Bilder. So sprachen die Ingenieure von Stuttgart 21 viele Jahre von „Überwerfungsbauwerken“, ehe Heiner Geißler im Zuge der Schlichtung die allgemein verständliche Übersetzung zu Tage förderte: Die Ingenieure meinten damit schlicht Brücken.

 

Hinzu kommt, dass Projektwerber die Interaktion mit der Öffentlichkeit vielfach nicht gewohnt sind. Viele sehen in der Oberflächlichkeit der medialen Berichterstattung eine Gefahr und sind mit der Geschwindigkeit, mit der auf Aktionen der Gegner reagiert werden muss, überfordert.

 

 

Über den Autor: Ulrich Müller ist Geschäftsführer der PR-Agentur wiko (www.wiko.cc) mit Büros in Innsbruck, Bregenz und Wien und berät Unternehmen und Institutionen in Kommunikationsfragen.

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