17.10.2012
Jan Manz

Wenn der Wecker um 2:00 Uhr klingelt

Wie ein Pressegspräch den ungewöhnlichsten Termin meines Berufslebens mit sich brachte

Ein strahlender Herbstsamstag in Kempten im Allgäu. Königswetter für den Tag der offenen Tür bei A.F.G. Allgäu Fleisch. Um zehn Uhr morgens bereits großer Auflauf am örtlichen Schlachthof. Eine schwarze Limousine fährt vor und Clemens Tönnies steigt aus. Beim Weißwurst-Frühstück eine kurze Lagebesprechung für das Pressegespräch, das ich zusammen mit meinen Kollegen von wbpr_ Kommunikation organisiert habe.  

„CT“, wie ihn seine Mitarbeiter nennen, bringt spontan noch einen weiteren Redner mit und ja, er sei jetzt bereit für das Telefoninterview mit der Süddeutschen Zeitung. Aber erst müsse er noch den Landrat begrüßen…. Und der Staatssekretär habe sich ja auch noch kurzfristig angekündigt. Das Statement fürs Fernsehen? Kriegen wir auch noch unter.

 

Westfalen und Allgäuer: ein gutes Gespann?

Und schon bin ich mittendrin in der PR-Begleitung des Events. Der Tag der offenen Tür war im Allgäu mit Spannung erwartet worden. Der Grund ist die bewegte Vorgeschichte des Schlachthofs Kempten mit seiner Insolvenz im letzten Jahr. Im Bieterwettstreit hatte sich die Unternehmensgruppe Tönnies durchgesetzt - ein langjähriger Kunde von wbpr_Kommunikation - die nun mit der A.F.G. Allgäu Fleisch seit rund zehn Monaten den Schlachthof betreibt. Der Einstieg von Tönnies hatte vor einem Jahr für großes Aufsehen gesorgt. Einerseits Erleichterung bei den Landwirten der Region. Andererseits auch Skepsis: Was fängt ein Schweinespezialist in der Rinderregion Allgäu an? Und: Westfalen und Allgäuer – passt das zusammen?

 

Westfälische Charmeoffensive kommt gut an

Es passt, das wird beim Pressegespräch mehr als deutlich. Die Medienvertreter sind auf unsere Einladung hin zahlreich vertreten und zeigen großes Interesse. Gerd Sonnleitner, Ehrenpräsident des Deutschen Bauernverbandes, lobt die Handschlagqualitäten von Clemens Tönnies. Dieser ist ganz in seinem Element, erläutert das neue Konzept für den Kemptener Schlachthof und pariert die ein oder andere kritische Frage vor allem zur Vergangenheit des Schlachthofs gekonnt und charmant.

 

Nachts um 3 Uhr im Schlachthof

Es läuft und ich lehne mich zurück und denke nochmal an den wohl ungewöhnlichsten Termin in meinem bisherigen Berufsleben zurück. Ich wollte im Vorfeld Pressefotos aus dem laufenden Betrieb machen und war ziemlich baff, als mir Erich Gölz, Geschäftsführer von Allgäu Fleisch, die Uhrzeit nannte: um drei Uhr morgens. Das sei der Beginn der Zerlegung, da bekämen wir die besten Fotos. Na dann! Wecker auf zwei Uhr gestellt, die Fotografin getroffen und los ging es. Ich muss gestehen, dass mir bei diesem nächtlichen Ausflug in den Schlachthof ganz schön mulmig zumute gewesen ist. Klar, wir wollten nur in der Zerlegung fotografieren, aber viel wichtiger war ja: Wird parallel noch geschlachtet? Und: müssen wir da vorbei?!

Die Erleichterung war groß als uns Erich Gölz dann durch die Anlagen führte und erläuterte, dass die Rinder immer am Abend geschlachtet werden und dann zur Kühlung in die Kühlhallen kommen. Glück gehabt!

 

Hut ab vor den Zerlegern

Die Zerlegung bot tolle Motive zum Fotografieren. Beeindruckend vor allem das emsige Treiben in konzentrierter Ruhe: zehn Männer und Frauen stehen warm eingepackt und hygienisch vermummt bei frostigen Temperaturen an einem Fließband. Am Kopfende zerlegt ein Kollege die Rinderhälften mit grobem Gerät in große Stücke. Diese kommen dann aufs Band und werden im Akkord Stück für Stück zerlegt. Eine große Lieferung geht zum Beispiel jeden Morgen an einen Lieferanten von McDonalds, der die berühmten Burger-Fleisch-Paddies herstellt. Irgendwie lustig, dass der Kemptener Schlachthof direkt neben McDonalds liegt…


Da kommt das Pressegespräch auch schon zum Ende und ich verteile mit stolz die Pressemappen mit unseren nächtlichen Fotos. Die Journalisten sind entzückt und der Nachteinsatz hat sich gelohnt: Unsere Fotos finden sich neben vielen Presseartikeln und laufen sogar im Fernsehen!

Andrea Hiemer
Blogbeitrag wurde erstellt von Andrea Hiemer, Senior-Beraterin bei wbpr_Kommunikation.

  

TV-Allgäu-Beitrag auf Youtube:

  • 0 Kommentar(e)

Beitrag kommentieren

(Pflichtfeld)
(wird nicht veröffentlicht) (Pflichtfeld)
(optional)

Zurück

Design liegt in der Luft

Letzte Kommentare

wbpr_ auf Facebook

 

 

Twitter